Kunst und Kultur in Kühlungsborn*

In Bearbeitung

Von Anfang an waren wir sehr darauf bedacht, Kulturschaffende in unsere interdisziplinären Diskussionen einzubeziehen.

Es begann gleich 1970 beim ersten Kolloquium über philosophische und ethische Probleme. Das Opernensemble des Landestheaters Dessau führte ausführliche szenische Ausschnitte aus der erst kurz zuvor in Magdeburg und Dessau uraufgeführten Gegenwartsoper Die zweite Entscheidung von Ingo und Udo Zimmermann auf, im Kühlungsborner Kino.*

Zusammen mit dem Tagungsprogramm wurden entsprechende Flyer verteilt, die uns das Dessauer Theater zur Verfügung gestellt hatte

 

Unser prominentester Gast, der Vorsitzende des Forschungsrats der DDR Max Steenbeck, guckte gleich interessiert drauf – und las ziemlich konsteriert aus dem Blatt vor:

Aber wir konnten ihn schnell beruhigen: Steenbeck hatte zuerst zufällig auf die zweite Seite des Blattes geschaut, und damit auf die zweite Hälfte eines Zitats das sowjetischen Genetikers Nikalai Petrowitsch Dubinin, Gast unseres folgenden, 1972 stattgefundenen Kolloquiums. Im Zusammenhang lautet die dem damaligen Zeitgeist entsprechende utopische Vorstellung von den neuen Möglichkeiten der Molekulargenetik: „Die Erbkrankheiten des Menschen werden ebenso verschwinden wie die infektiösen oder inneren Krankheiten“….

Unser Anliegen wurde dann vor allem vom Generalintendanten des Rostocker Volkstheaters Hans Anselm Perten und seinen Mitarbeitern sehr unterstützt, vor allem auch kostengünstig. 1976 gab es im Tagungsraum eine stürmisch gefeierte Aufführung von El Cimarron, eines von Hans Werner Henze und Hans Magnus Enzenberger geschaffenen Rezitals. Im folgenden Jahr lasen Mitglieder des Rostock Ensembles ausführliche Ausschnitte aus Ernst Schumachers Versuchung des Forschers, die dann mit dem Autor sehr kontrovers diskutiert wurden.

Im Verlauf anderer Kolloquien fuhren wir mit Sonderbussen nach Rostock ins Theater. Dort sahen wir 1977 Peter Weiss‘ Stück Wie dem Herrn Mockinport das Leiden ausgetrieben wird, 1981 Rolf Hochhuths Ärztinnen – das anschließend sehr kontrovers diskutiert wurde – und 1983 Anatoli Sofronows Operation am Herzen.