Schwarzer Tod und Amikäfer - eine Ausstellung
Weiter oben wurde erwähnt, dass wir für die Weiterentwicklung der Ausstellung „Die Sachsenburg und der biologische Krieg“ Mittel vom Stifterverband für die Dutsche Wissenschaft und zusätzliche Gelder vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin bekommen konnten, die es uns erlaubte, unter dem neuen Titel „Schwarzer Tod und Amikäfer“ eine entsprechende, aus zweimal 30 Schautafeln bestehende, Wanderaus-stellung zu entwickeln. Ein Satz der Tafeln, auf Metallgittern befestigt, ging auf Wanderschaft, der andere Satz ergänzte die in der Sachsenburg gezeigten Exponate, die nun auch unter dem neuen Titel präsentiert wurde.
Der neue Titel passte ja auch dort wie die Faust aufs Auge: „Schwarzer Tod“ wurde die verheerende Pestepidemie genannt, die im 14. Jahrhundert grassierte und angeblich auf einen Biowaffeneinsatz zurückzuführen war. Und „Amikäfer“ wurden in der Sachsenburger Ausstellung umfassend gewürdigt. Aber auch alle anderen Aspekte der Geschichte der biologischen Waffen.
Einleitungs-Tafeln
In der ersten Abteilung ging es auf fünf Tafeln um die wichtigsten Kampfmittel.
In der zweiten Abteilung wurde auf vier Tafeln und, allerdings nur im Schloss, auf weiteren Exponaten „Biosabotage im ersten Weltkrieg“ behandelt.
Geheimes Telegramm über die Sendung von Rotz-Erregern zur Infektion von Pferden aus dem Archiv des AA
Zu diesem Thema hatte ich jahrelang in den Archiven erfolgreich recherchiert.
Exponat 7-8 Hochzeitsfoto von Dr Hermann Wupperman. Er war der an deutschen osabotageaktionen beteiligte Topagent "Arnold". Ich konnte ihn enttarnen.
Katalog. 33 S. Text, 45 S. Quellenangaben
In der dritten Abteilung beschäftigten sich neun Tafeln – und zahlreiche weitere Exponate nur in der Sachsenburg – mit „Biologische Kampfmittel vor und während des Zweiten Weltkriegs“. Hier ging es unter anderem über Hitlers überraschendes Verbot, aktive biologische Kriegsführung vorzubereiten, dessen Hintergründe ich im Verlauf meiner historischen Recherchen aufklären konnte. Und es ging um die Einrichtungen, in denen offensiv und defensiv motivierte Biowaffen-aktivitäten betrieben wurden. Natürlich stand dabei das in Schloss Sachsenburg errichtete „Institut für Mikrobiologie der Wehrmacht“ im Mittelpunkt. 13 Exponate wurden dazu in der Tafel „Die Sachsenburg war kein Biowaffeninstitut“ gezeigt. An Ort und Stelle, in der im Schloss gezeigten Ausstellung, wurden weitere 44 Exponate ausgestellt (und deren Quellen in einem Katalog, den Anmerkungen zu einer Ausstellung aufgelistet).
Quellen von Exponaten zum Institut für Mikrobiologie in Schloss Sachsenburg erwähnt im Ausstellungskatalog S. 58-59
In der vierten Abteilung beschäftigten sich drei Tafeln mit dem Thema „Bioterrorismus“.
Tafel 20
Sechs Tafeln – und zahlreiche weitere Objekte – behandelten in der fünften Abteilung „Kartoffelkäfer greifen an“. Und in der letzten Abteilung ging es auf drei Tafeln um die „Kontrolle der Bio- und Toxin-Waffen“.
Quellen von Exponaten zumKartoffelkäfer erwähnt im Ausstellungskatalog S. 74-75
Vier Jahre lang tourte die Wanderausstellung durch Deutschland und war sogar in der Schweiz, in Basel, zu sehen. Im Rahmen der „Wissenschaft im Dialog-Initiative“ wurde sie in den Wissenschaftssommern 2002 und 2003 in der Berliner URANIA und im Kurfürstlichen Schloss Mainz präsentiert. Die Bundeswehr war interessiert holte die Schau in die Sanitätsakademie München und zur ABC- und Selbstschutzschule nach Sonthofen. Natürlich wurde sie im Max-Delbrück-Centrum gezeigt, eröffnet von Staatssekretär Walter Stützle vom Bundesministerium für Verteidigung und von Torsten Sohns, dem Kommandeur der Sanitätsakademie der Bundeswehr. Und auch in Erfurt, Hamburg und Hilden stieß die Ausstellung auf großes Interesse.
2002 zum "Wissenschaftssommer" in der URANIA Berlin
US-Experte Milton Leitenberg in der Sanitätsakademie der Bundeswehr München
Das Interesse an der Ausstellung ließ aber ab 2005 deutlich nach, vor allem weil die durch die schrecklichen Attentate von 9/11 und durch die Biopsychoterror-Aktion mit den „Milzbrandbriefen“ ausgelöste Furcht vor Bioterror weitgehend abgeklungen war. (dpa hat sie 2020/21 leichtfertig noch einmal geschürt, aber da schlummerten die Tafeln schon längst in den Verließen der baupolizeilich gesperrten Sachsenburg.)